Wirkstoff: Bupivacaini hydrochloridum anhydricum.
Hilfsstoffe: Natrii chloridum; Aqua ad iniectabilia.
Injektionslösung zu 0,25% und 0,5%: 1 ml enthält: 2,5 mg resp. 5,0 mg.
Leitungsanästhesien und therapeutische Nervenblockaden, bei denen eine lange Wirkungsdauer erwünscht ist.
Um akuten toxischen Reaktionen vorzubeugen, sollten intravaskuläre Injektionen vermieden werden. Eine vorsichtige Aspiration vor und während der Injektion ist empfehlenswert. Wenn eine hohe Dosis injiziert werden soll, wird eine Test-Dosis empfohlen. Eine unbeabsichtigte Intravaskular -Injektion wird durch eine vorübergehende Zunahme der Herzschläge erkannt.
Die Hauptdosis sollte langsam, bei einer Geschwindigkeit von 25–50 mg/Min. injiziert werden, oder in zunehmender Dosis erfolgen, wobei ein stetiger verbaler Kontakt mit dem Patienten aufrechtzuerhalten ist. Beim Auftreten toxischer Symptome ist die Injektion sofort abzubrechen.
Unnötig hohe Dosen von Lokalanästhetika sind zu vermeiden. Eine vollständige Blockade von allen Nervenfasern grosser Nerven erfordert im allgemeinen höhere Arzneimittelkonzentrationen. Bei kleineren Nerven, oder wenn eine weniger intensive Blockade erforderlich ist (z.B. zur Linderung von Wehenschmerzen), ist die niedrigere Konzentration angezeigt. Das Volumen des verabreichten Arzneimittels bestimmt den Umfang der Anästhesieausdehnung.
Zur Blockaden-Verlängerung kann ein (Verweil-)Katheter gelegt werden, durch welchen das Lokalanästhetikum injiziert oder infundiert werden kann. Diese Technik ist üblich bei Epiduralanästhesien und kann z.B. auch bei Brachial-Plexus-Anästhesien und Interpleural-Analgesien angewendet werden.
Die Therapiedauer ist bei der postoperativen Dauerinfusion beschränkt auf maximal 3 Tage.
Erfahrungen bis heute zeigen, dass eine Verbreichung von 400 mg beim Durchschnitts-Erwachsenen über 24 Stunden gut vertragen wird.
Bupivacain ACS Dobfar Info sollte bei Kindern <12 Jahren nicht angewendet werden.
Die folgende Tabelle ist eine Dosierungsanleitung für die am häufigsten angewandten Techniken. Klinische Erfahrung und allgemeine Kenntnis über den physischen Allgemeinzustand des Patienten sind wichtig im Zusammenhang mit der Kalkulierung der erforderlichen Dosierung. Wenn verlängerte Blockaden gebraucht werden (bei wiederholter Bolus-Verabreichung), müssen die Risiken bezüglich Erreichung einer toxischen Plasmakonzentration oder einer einleitenden lokalen Nervenschädigung in Betracht gezogen werden.
Die in der Tabelle angegebenen Dosierungen sind notwendig, um eine erfolgreiche Blockade zu erreichen, und sollten als Anwendungsrichtlinien beim Durchschnitts-Erwachsenen angesehen werden.
Bezüglich Wirkungseintritt und Wirkungsdauer gibt es weite individuelle Variationen und es ist unmöglich, exakte Angaben zu machen. Für andere Regionalanästhesie-Techniken konsultieren Sie die entsprechende Fachliteratur.
| Blockadetyp Konzentration Dosis |
| mg/ml % ml mg |
| Lokalinfiltration 2,5 0,25 ≤60 ≤150 |
| 5,0 0,5 ≤30 ≤150 |
| Digital-Blockade 2,5 0,25 1–5 2,5–12,5 |
| interkostal 5,0 0,5 2–3 10–15 |
| (per nervum) |
| inter-pleural 2,5 0,25 20–30 50–75 |
| 5,0 0,5 20 100 |
| Brachial-Plexus 5,0 0,5 30 150 |
| Ischiadikus 5,0 0,5 10–20 50–100 |
| 3 zu 1 (Femur, 5,0 0,5 20–30 100–150 |
| Obturator und Haut |
| lateral) |
| Intra-artikulär 2,5 0,25 ≤40 ≤100 |
| Lumbal epidural 5,0 0,5 15–30 75–150 |
| 2,5 0,25 6–15 15–37,5 |
| Thorakal epidural 5,0 0,5 5–10 25–50 |
| 2,5 0,25 5–15 12,5–37,5 |
| Kaudal epidural 5,0 0,5 20–30 100–150 |
| Erwachsene 2,5 0,25 20–30 50–75 |
| Blockadetyp Konzen- Wir- Wir- |
| tration kungs- kungs- |
| eintritt dauer |
| mg/ml % (Min.) (h) |
| Lokalinfiltration 2,5 0,25 1–3 3–4 |
| 5,0 0,5 1–3 4–8 |
| Digital-Blockade 2,5 0,25 2–5 3–4 |
| interkostal 5,0 0,5 3–5 4–8 |
| (per nervum) |
| inter-pleural 2,5 0,25 10–20 3–4 |
| 5,0 0,5 10–20 4–8 |
| Brachial-Plexus 5,0 0,5 15-30 4–8 |
| Ischiadikus 5,0 0,5 15–30 4–8 |
| 3 zu 1 (Femur, 5,0 0,5 15–30 4–8 |
| Obturator und Haut |
| lateral) |
| Intra-artikulär 2,5 0,25 5–10 2–4 |
| nach |
| waschen |
| Lumbal epidural 5,0 0,5 15–30 2–3 |
| 2,5 0,25 2–5 1–2 |
| Thorakal epidural 5,0 0,5 10–15 2–3 |
| 2,5 0,25 10–15 1,5–2 |
| Kaudal epidural 5,0 0,5 15–30 2–3 |
| Erwachsene 2,5 0,25 20–30 1–2 |
| Blockadetyp Konzentration Indikation |
| mg/ml % |
| Lokalinfiltration 2,5 0,25 Chirurg. Eingriffe |
| 5,0 0,5 und postoperative |
| Analgesie |
| Digital-Blockade 2,5 0,25 Chirurg. Eingriffe |
| interkostal 5,0 0,5 Schmerzlinderung |
| (per nervum) in der postopera- |
| tiven Analgesie |
| und Trauma |
| inter-pleural 2,5 0,25 Postoperative |
| 5,0 0,5 Analgesie |
| Brachial-Plexus 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| Ischiadikus 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| 3 zu 1 (Femur, 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| Obturator und Haut |
| lateral) |
| Intra-artikulär 2,5 0,25 Arthroskopie und |
| chirurg. Eingriffe |
| Lumbal epidural 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| inkl. Kaiser- |
| schnitt |
| 2,5 0,25 Wehen- und post- |
| operative Schmerz- |
| linderung |
| Thorakal epidural 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| 2,5 0,25 |
| Kaudal epidural 5,0 0,5 Chirurg. Eingriffe |
| Erwachsene und postoperative |
| Schmerzlinderung |
| 2,5 0,25 Schmerzlinderung |
| und diagnostische |
| Anwendung |
| Blockadetyp Konzentration Bemerkung |
| mg/ml % |
| Lokalinfiltration 2,5 0,25 Therapiedauer für |
| 5,0 0,5 die postoperative |
| Analgesie: max. |
| 3 Tage |
| Digital-Blockade 2,5 0,25 |
| interkostal 5,0 0,5 Therapiedauer für |
| (per nervum) die postoperative |
| Analgesie: max. |
| 3 Tage |
| inter-pleural 2,5 0,25 Therapiedauer für |
| 5,0 0,5 die postoperative |
| Analgesie: max. |
| 3 Tage |
| Brachial-Plexus 5,0 0,5 |
| Ischiadikus 5,0 0,5 |
| 3 zu 1 (Femur, 5,0 0,5 |
| Obturator und Haut |
| lateral) |
| Intra-artikulär 2,5 0,25 |
| Lumbal epidural 5,0 0,5 Dosis inkl. |
| Testdosis |
| 2,5 0,25 Dosis inkl. |
| Testdosis |
| Therapiedauer für |
| die postoperative |
| Analgesie: max. |
| 3 Tage |
| Thorakal epidural 5,0 0,5 Dosis inkl. |
| 2,5 0,25 Testdosis |
| Kaudal epidural 5,0 0,5 Dosis inkl. |
| Erwachsene Testdosis |
| 2,5 0,25 Dosis inkl. |
| Testdosis |
Überempfindlichkeit gegen Bupivacain oder gegen andere Lokalanästhetika vom Säureamid Typ, Hepatopathien, Myastenia gravis, Herzinsuffizienz, Hypotension sowie Hypovolämie.
Bupivacain-Lösungen sind in Zusammenhang mit intravenöser Regionalanästhesie (Biers-Blockade) kontraindiziert, weil unbeabsichtigt in der Blutkreislauf gelangendes Bupivacain akute, systemische, toxische Reaktionen hervorrufen kann.
Es wurde im Zusammenhang mit der Bupivacain- Verabreichung zur Epiduralanästhesie oder zu peripheren Nervenblockade über Herzstillstand oder Tod berichtet. Trotz entsprechender Massnahmen war eine Reanimation in einigen Fällen schwierig oder unmöglich.
Wie alle für eine Lokalanästhesie verwendeten Mittel kann auch Bupivacain akute toxische Wirkungen auf das zentrale Nervensystem und das kardiovaskuläre System verursachen, wenn es für lokale Anästhesieverfahren eingesetzt wird, die zu hohen Plasmakonzentrationen führen. Dies ist besonders nach einer versehentlichen intravaskulären Applikation der Fall. Im Zusammenhang mit einer hohen systemischen Konzentration von Bupivacain sind ventrikuläre Arrhythmie, Kammerflimmern, plötzlicher kardiovaskulärer Kollaps und Todesfälle berichtet worden.
Regionalanästhesie-Verfahren sollten nur an Orten mit entsprechender Ausrüstung und Personal durchgeführt werden. Die notwendige Ausrüstung und Medikamente zur Überwachung und notfalls zur Reanimation sollten sofort verfügbar sein. Patienten, bei denen eine Hauptnerven-Blockade geplant ist, sollten in einem optimalen Zustand sein und es sollte vor der Blockade in i.v. Zugang gelegt werden. Der verantwortliche Arzt sollte angemessen geschult und erfahren sein im Umgang mit Diagnosen und Behandlung von Nebenwirkungen, systemischer Toxizität und anderen Komplikationen (siehe «Überdosierung»).
Bei umfangreichen Nervenblockaden (Plexusblockaden) kann die Verabreichung grosser Volumina von Lokalanästhetika in stark vaskularisierte Regionen, oftmals in der Nähe von grossen Gefässen, notwendig sein. Dabei besteht ein erhöhtes Risiko einer unbeabsichtigten intravaskulären Injektion und/oder systemischen Absorption, was zu hohen Plasmakonzentrationen führen kann.
Bupivacain sollte bei Kindern <12 Jahren nicht angewendet werden.
Bei Patienten, die sich aufgrund ihres hohen alters oder anderer Risikofaktoren, wie z.B. teilweise oder vollständige Herzreizleitungsblockade, Leber- oder Nierenfunktionsstörung im fortgeschrittenen Stadium, in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, ist besondere Aufmerksamkeit notwendig.
Bei diesen Patienten ist die regionale Anästhesie das Verfahren der Wahl. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit partieller oder kompletter Herzblockade, da das Lokalanästhetikum die Myokardleitung schwächen kann.
Patienten, die mit Antiarrhythmika der Klasse III (z.B. Amiodarone) behandelt werden, sollten überwacht und ein EKG- Monitoring sollte in Betracht gezogen werden, da die kardialen Wirkungen additiv sein können.
Epiduralanästhesie kann zu Hypotonie und Bradykardie führen. Das Risiko für solche Reaktionen kann z.B. durch eine vorherige Auffüllung des Kreislaufes oder durch Injizieren eines Vasopressors verringert werden. Eine Hypotonie sollte sofort behandelt werden mit z.B. 5–10 mg Ephedrin i.v., welches wenn nötig wiederholt werden sollte.
Zentrale Nervenblockaden können kardiovaskuläre Depressionen hervorrufen, insbesondere beim Auftreten von Hypovolämie. Eine Epiduralanästhesie sollte, bei Patienten mit beeinträchtigter kardiovaskulärer Funktion, mit Vorsicht angewendet werden.
Einige lokale Anästhesie-Verfahren wie Injektionen im Kopf- und Nackenbereich können unabhängig vom verwendeten Lokalanästhetikum zu ernsthaften unerwünschten Wirkungen führen. Injektionen, die versehentlich in eine Arterie appliziert werden, können sofort trotz niedriger Dosierung toxische zerebrale Symptome verursachen.
Retrobulbär- Injektionen können gelegentlich den kranialen Subarachnoidalraum erreichen, wodurch vorübergehende Blindheit, kardiovaskulärer Kollaps, Apnoe, Konvulsionen etc. auftreten können.
Diese müssen diagnostiziert und sofort behandelt werden.
Repro- und Peribulbär- Injektionen von Lokalanästhetika beinhalten ein geringes Risiko einer persistierenden Dysfunktion der Augenmuskulatur. Die Intensität solcher Gewebsreaktionen steht im Zusammenhang mit dem Schweregrad dieses Traumas, der Lokalanästhetikum-Konzentration und der Expositionszeit des Lokalanästhetikums zum Gewebe. Deshalb muss wie bei allen anderen Lokalanästhetika, die kleinste noch wirksame Konzentration und Dosierung des Lokalanästhetikums verwendet werden. Vasokonstriktoren und andere Zusätze können die Gewebereaktion verschlimmern und sollten nur verwendet werden, wenn dies angezeigt ist.
Parazervikal- Blockade kann manchmal Bradykardie/Tachykardie beim Feten hervorrufen, sodass ein sorgfältiges Überwachen des Herzschläge des Feten nötig ist.
Wird Bupivacain zur intra-artikulären Injektion eingesetzt, ist Vorsicht geboten, wenn ein von kurzem aufgetretenes intra-artikuläres Trauma vermutet oder die Gelenkfläche beim chirurgischen Eingriff extensiv aufgeraubt wurde, weil dadurch die Absorptionsrate beschleunigt und folglich die Plasmakonzentration höher sein kann.
Bupivacain sollte vorsichtig angewendet werden bei Patienten, die andere Lokalanästhetika erhalten oder Wirkstoffe die mit Lokalanästhetika vom Amid- Typ strukturverwandt sind, (Antiarrhythmika wie z.B. Lidocain, Mexiletin und Tocainid) weil sich deren systemische toxische Wirkung addieren. Spezifische Interaktionsstudien mit Bupivacain und Antiarrhythmika der Klasse III (z.B. Amiodarone) wurden nicht durchgeführt, jedoch ist Vorsicht geboten (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Bupivacain passiert die Plazenta mittels einfacher Diffusion. Die embryo-/fetale Dosis im Verhältnis zur maternalen Serumkonzentration beträgt 0,14–0,6 µg/ml.
Kontrollierte Studien beim Menschen über mögliche Effekte von Bupivacain in der Schwangerschaft liegen nicht vor. Im Tierversuch ist bei einer Dosierung, die der fünf- bzw. neunfachen Dosis beim Menschen entsprechen oder einer Gesamtdosis von 400 mg, eine verminderte Überlebensrate bei den Jungtieren von Ratten aufgetreten, und bei Kaninchen zeigten sich embryoletale Effekte.
Bei der Anwendung in der Schwangerschaft speziell in späteren Stadien, ist Vorsicht geboten
Beim Führen und Lenken von Maschinen muss beachtet werden, dass es in Abhängigkeit von der Dosierung der Lokalanästhetika, zu leichten Konzentrations- und Koordinationsstörungen sowie vorübergehender beeinträchtigter Fortbewegungsfähigkeit kommen kann.
Deshalb ist entsprechend Vorsicht geboten.
Das Sicherheitsprofil von Bupivacain ist vergleichbar mit dem anderer Lokalanästhetika mit Langzeitwirkung.
Die durch das Arzneimittel per se verursachten unerwünschten Wirkungen lassen sich nur schwer unterscheiden von:
Physiologischen Wirkungen einer Nervenblockade (z.B. Blutdruckabfall, Bradykardie). Ereignissen, die direkt oder indirekt durch die Punktion hervorgerufen wurden (z.B. Nerventrauma bzw. epiduraler Abszess).
Selten (>1/10’000, <1/1’000): allergische Reaktionen, anaphylaktische Reaktionen, anaphylaktischer Schock.
Häufig (>1/100, <1/10): Parästhesie, Schwindel.
Gelegentlich (>1/1’000, <1/100): Anzeichen und Symptome einer ZNS Toxizität (Konvulsionen, Parästhesia circumoralis, Taubheit der Zunge, Hyperacusia, Sehstörungen, Bewusstseinsverlust, Tremor, leichte Verwirrtheit, Tinnitus, Stottern).
Selten (>1/10’000,<1/1’000): Neurophathie, periphere Nervenverletzung, Arachnoiditis, Parese, Paraplegie.
Selten (>1/10’000, <1/1000): Doppeltsehen.
Häufig (>1/100,<1/10): Bradykardie.
Selten (>1/10’000, <1/1000): Herzstillstand, kardiale Arrhythmien, Kammerflimmern.
Sehr häufig (>1/10): Hypotonie.
Häufig (>1/100, <1/10): Hypertonie.
Selten (>1/10’000, <1/1’000): Atemdepression.
Sehr häufig (>1/10): Nausea.
Häufig (>1/100, <1/10): Erbrechen.
Häufig (>1/100, <1/10): Urinretention.
Systemische toxische Reaktionen betreffen vor allem das Zentralnerven- und Herz-Kreislauf-System. Solche Reaktionen werden durch hohe Plasmakonzentration von Lokalanästhetika verursacht, welche:
Unbeabsichtigt intravaskulär oder überdosiert verabreicht werden oder besonders schnell von stark vaskularisierten Regionen absorbiert werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
ZNS- Reaktionen sind ähnlich bei allen Lokalanästhetika des Amid- Typs, während kardiale Reaktionen quantitativ und qualitativ mehr vom Arzneimittel abhängen.
Irrtümlicherweise intravaskulär verabreichte Lokalanästhetika können umgehend (innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten) systemisch toxische Reaktionen hervorrufen. Im Fall einer Überdosierung, erscheinen diese Reaktionen wegen dem langsameren Anstieg der Blutkonzentration von Lokalanästhetika später (15–60 Minuten nach einer Injektion).
Diese verläuft stufenweise mit Anzeichen von zunehmendem Schweregrad. Anfangssymptome wie gewöhnlich leichte Verwirrtheit, circumorale Parästhesien, Taubheit der Zunge, Hyperacusia, Tinnitus und Sehstörungen, Dysarthrie, Muskelzucken, Tremor sind schwerwiegender und können die Vorläufer allgemeiner Krämpfe sein. Diese Anzeichen dürfen nicht mit neurotischem Verhalten verwechselt werden. Bewusstlosigkeit und epileptische Krämpfe (Grand Mal) können folgen, welche von einigen Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern können.
Hyperkapnie und Hypoxie treten während den Krämpfen aufgrund erhöhter Muskelaktivität und Beeinträchtigung der Atmung schnell auf. In schweren Fällen kann Apnoe auftreten. Die Azidose, Hyperkaliämie und Hypoxie vergrössern und verlängern die toxischen Wirkungen von Lokalanästhetika.
Die Erholung erfolgt nach der Neuverteilung des Lokalanästhetikums aus dem Zentralnervensystem und der darauffolgenden Metabolisierung und Ausscheidung. Falls nicht grosse Mengen des Lokalanästhetikums injiziert wurden, kann die Erholung schnell erfolgen.
Den schwerwiegenden kardiovaskulären toxischen Wirkungen gehen Anzeichen von Zentralnervöser Toxizität voraus, ausser der Patient erhält ein allgemeines Anästhetikum. Hypotonie, Bradykardie, Arrhythmie und Herzstillstand können, als Resultat hoher systemischer Konzentrationen von Lokalanästhetika, auftreten.
In seltenen Fällen ist ein Herzstillstand ohne prodromale ZNS Anzeichen aufgetreten.
Bei Anzeichen von akuter systemischer Toxizität, sollte die Injektion des Lokalanästhetikums sofort unterbrochen werden.
Wenn eine kardiovaskuläre Depression (Hypotonie, Bradykardie)offensichtlich ist, sollte für eine Volumenzufuhr i.v. gesorgt und Ephedrin 5–10 mg i.v. verabreicht werden; wenn nötig nach 2–3 Minuten wiederholt werden. Eine Bradykardie wird mit Atropin 0,5–1,0 mg i.v. behandelt. Falls ein Herzstillstand eintreten sollte, können lang andauernde Reanimationsmassnahmen notwendig sein. Sollte ein Kreislaufzusammenbruch auftreten, ist eine rasche kardiopulmonale Reanimation erforderlich. Optimale Sauerstoffzufuhr, Beatmung und Kreislaufunterstützung sowie Behandlung der Azidose sind lebenswichtig. Adrenalin (0,1–0,2 mg i.v. oder intrakardial) sollte so schnell wie möglich verabreicht und wenn nötig wiederholt werden.
Wenn Krämpfe auftreten, sollte das Behandlungsziel sein:
Die Sauerstoffzufuhr beibehalten. Stoppen der Krämpfe und unterstützen des Kreislaufs, wenn nötig müssen zusätzlich Maske und Beutel oder eine tracheale Intubation eingesetzt werden. Ein krampflösendes Mittel sollte i.v. gegeben werden wenn die Krämpfe sich nicht spontan innert 15–20 Sekunden lösen. Thiopental- Natrium 1–3 mg/kg i.v. verabreicht werden, obwohl seine Wirkung langsam eintritt. Anhaltende Krämpfe können die Atmung und die Sauerstoffaufnahme des Patienten gefährden. Die Injektion eines Muskelrelaxantiums (z.B. Succinylcholin 1 mg/kg) wird die Krämpfe schnell stoppen, so dass die Atmung erleichtert und die Sauerstoffaufnahme kontrolliert werden kann. In solchen Fällen muss eine endotracheale Intubation in Betracht gezogen werden.
ATC-Code: N01BB01
Bupivacain ist ein lipophiles Lokalanästhetikum vom Säureamidtyp mit langer Wirkungsdauer. Es ist ungefähr 4 mal wirksamer als Lidocain. Bupivacain bewirkt, unabhängig von der Applikationsart, eine langanhaltende Blockade, vor allem der sensiblen Nervenfasern, in hohen Dosen auch der motorischen Nervenfasern.
Bupivacain bewirkt eine reversible Blockade der Impuls-Ausbreitung entlang der Nervenfasern durch Verhindern des Einstroms von Natriumionen durch die Nervenmembrane.
Die systematische Absorptionsrate von Bupivacain ist abhängig von der Dosis, dem Verabreichungsweg und der Vaskularität des Injektionsortes. Interkostalblockaden bewirken die höchste Plasmakonzentration wegen der schnellen Absorption, während subkutane Abdominalinjektionen die niedrigste Plasmakonzentration bewirken. Epidural- und Major-Plexus-Blockaden liegen dazwischen.
Bupivacain zeigt eine komplette und biphasische Absorption aus dem Epiduralraum mit Halbwertszeiten in Bereichen von 7 Minuten und 6 Stunden. Die langsame Absorption ist verhältnisbeschränkend in der Elimination von Bupivacain, welches erklärt, warum die scheinbare Eliminationshalbwertszeit nach epiduraler Anwendung länger ist als nach intravenöser.
Bupivacain hat einen pKa-Wert von 8,1 und ist fettlöslicher als Lidocain.
Bupivacain hat eine totale Plasma-Clearance von 0,58 l/Min., ein Distributionsvolumen im Steady state von 73 l, eine Eliminationshalbwertszeit von 2,7 Stunden und die Leber-Ausscheidungsverhältnis von 0,40, bezüglich Abbauprodukt.
Dieses ist hauptsächlich an alpha-1-saures Glucoprotein im Plasma gebunden. Die Plasmabindung beträgt 96%.
Eine Zuname von alpha-1-saurem Glucoprotein, welche postoperativ nach grossen Eingriffen auftritt, kann eine Erhöhung der totalen Plasmakonzentration von Bupivacain bewirken. Der Gehalt an ungebundenem Wirkstoff wird derselbe bleiben. Dies erklärt, warum totale Plasmakonzentrationen über dem anscheinend toxischen Schwellenniveau von 2,6–3,0 mg/l gut toleriert werden.
Ungefähr 6% von Bupivacain wird unverändert im 24 h-Urin ausgeschieden und ungefähr 5% als N-dealkylierter Metabolit (Pipecolyxylidid) (PPX). Nach einer epiduralen Anwendung, ist die Harn-Rückgewinnung von unverändertem Bupivacain ungefähr 0,2%, von Pipecolyxylidid ungefähr 1% und von 4-Hydroxy-Bupivacain ungefähr 0,1% der verabreichten Dosierung.
Bupivacain passiert die Plazentarschranke rasch und das Gleichgewicht hinsichtlich freiem Wirkstoff wird erreicht. Der Grad der Plasmabindung ist beim Fötus geringer, als bei der Mütter, was eine geringere totale Plasmakonzentration beim Fötus als bei der Mutter ergibt. Die freie Konzentration ist jedoch beim Fötus, wie bei der Mutter dieselbe.
Bupivacain liegt in der Muttermilch in geringerer Konzentration vor, als in der mütterlichen Plasmakonzentration.
Die Prüfung der lokalen Toxizität von Bupivacain bei verschiedenen Tierspezies hat eine hohe Gewebetoxizität ergeben, die sich jedoch als reversibel erwies.
Untersuchungen zur subchronischen Toxizität bei lokaler Applikation von Bupivacain beim Tier (Ratte) ergaben muskuläre Faseratrophien. Eine komplette Regeneration der Kontraktilität wurde jedoch beobachtet.
Eine ausreichende Mutagenitätsprüfung von Bupivacain liegt nicht vor. Eine vorläufige Untersuchung an Lymphozyten von Patienten, die mit Bupivacain behandelt wurden, verlief negativ. Langzeituntersuchungen zum tumorerzeugenden Potential von Bupivacain wurden nicht durchgeführt.
Beim Mischen mit anderen alkalisch reagierenden Substanzen kann Bupivacain Base ausfallen. Bupivacain ACS Dobfar Info soll daher nicht mit alkalischen Stoffen gemischt werden.
Nach Öffnen der Ampulle, Lösung sofort verwenden und anfällige Resten verwerfen. Das Medikament darf nur bis zu dem auf den Ampullen mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Bupivacain ACS Dobfar Info bei Raumtemperatur (15–25 °C) und vor Licht geschützt aufbewahren. Lösungen nicht einfrieren.
55114 (Swissmedic).
Bupivacain ACS Dobfar Info 0,25% Amp 10 × 5 ml. (B)
Bupivacain ACS Dobfar Info 0,25% Amp 10 × 10 ml. (B)
Bupivacain ACS Dobfar Info 0,5% Amp 10 × 5 ml. (B)
Bupivacain ACS Dobfar Info 0,5% Amp 10 × 10 ml. (B)
ACS Dobfar Info SA, Campascio.
Juni 2006.